Pressemitteilung 14. Januar 2021: Stadttauben fehlt es an Nahrung

     

Leere Innenstädte, leere Taubenmägen: Die Vögel leiden wie schon im Frühjahr auch jetzt unter den Folgen des Corona-Lockdowns, weil sie deutlich weniger Nahrung finden. Der Tierschutzverein Heilbronn und Umgebung fordert kurzfristig Ausnahmen von allgemeinen Fütterungsverboten und setzt sich langfristig für einen besseren Umgang mit Stadttauben ein. 

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„Heilbronn braucht wie andere Städte auch einen Taubenturm“, erklärt die Vereinsvorsitzende Silke Anders. Sie kündigt an, mit der Stadtverwaltung Heilbronn das Gespräch zu suchen.

Stadttauben sind Nachfahren von domestizierten Haustauben und an ihren Standort gebunden. Das macht sie abhängig von den Menschen als Futterlieferanten. Mit dem Lockdown sind nicht nur die Menschen, sondern auch Essensreste aus den Innenstädten verschwunden. „Wir bekommen immer mehr abgemagerte Tauben“, sagt Anja Fischer, Vize-Vorsitzende des Heilbronner Tierschutzvereins. Ein Beispiel: In einem Neckarsulmer Parkhaus seien verendete Küken gefunden worden, ihre Mütter hätten sie nicht mehr versorgen können. 

Die Tierschützer fordern deshalb, das allgemeine Fütterungsverbot auszusetzen. Dies auch mit Blick auf das Winterwetter, das die Tiere zusätzlich schwächt. Ziel sei, die Fütterung durch Privatpersonen und organisierte Tierschützer in geregelten Bahnen zu ermöglichen, natürlich mit geeignetem Körnerfutter (zum Beispiel Getreide, Sonnenblumenkerne, Hirse). Solche Ausnahmegenehmigungen haben Städte wie Braunschweig, Kiel oder Köln bereits erteilt.

Stadttauben haben mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Zu Unrecht. So geht von ihnen kein höheres Infektionsrisiko aus als von anderen Wildvögeln. Der Tierschutzverein Heilbronn und Umgebung will auf die Stadt Heilbronn zugehen und über einen Taubenturm sprechen, wie es ihn in anderen Kommunen bereits gibt. Vorteile: Die Tiere können einerseits mit artgerechtem Futter versorgt werden, andererseits lässt sich der Taubenbestand auf artgerechte Weise regulieren. Dabei werden Eier durch Gips- oder Kunststoffattrappen ersetzt. 

Silke Anders und Anja Fischer haben sich über den Taubenturm in Waiblingen vor Ort informiert. Dort gibt es Platz für 90 Paare. Ihr Fazit fällt positiv aus: „Wichtig wäre ein solcher Turm für Heilbronn auf jeden Fall, da hier etliche Tiere unversorgt sind und die Bestandsregulierung durch ein Eieraustausch ein vernünftiger Ansatz ist“, sagt Anja Fischer. Gespräche mit der Stadt Heilbronn sollen das Projekt voranbringen.

Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich ebenfalls für Taubentürme ein. Weitere Informationen: www.tierschutzbund.de/taubenschutz



Foto: Taubenturm in Waiblingen

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